Sonntag, 17.07.: Um 23.00 haben wir es geschafft,
zwei Fahrräder, das ganze Gepäck und uns in Marcus' Fiat Uno zu
stopfen. Wir starten mehr oder weniger fit in Richtung Norden. 
Montag, 18.07.: Nach einer reibungslosen, flotten Fahrt kommen wir in Hanstholm an. Unsere ersten Eindrücke: Häßlicher Hafen, strahlende Sonne, guter Parkplatz und weit und breit keine Fähre. Die fährt nämlich erst am nächsten Tag. Etwas bedrückt fahren wir ins Zentrum von Hanstholm und informieren uns über Campingmöglichkeiten und den Weg zum Strand. Nach ein paar Kilometern Fahrt erreichen wir einen Campingplatz, den wir durchqueren um zum Strand zu gelangen. Vor uns liegt eine riesige, schöne Dünenlandschaft, die wir nur schiebend durchqueren können. Zwischen den Dünen machen wir es uns ersteinmal bequem und merken, daß die Sonne immer heißer wird, bis wir schließlich wieder aufbrechen, um einen Wildcampingplatz zu suchen. Nach einigen Kilometern haben wir ihn gefunden: Eine grasbewachsene Waldlichtung mit Feuerstelle, Tisch und Bänken und einem Wasserhahn mit Schlauch zum Duschen. Einfach genial. Am Abend fährt Dirk noch mal 15km nach Hanstholm um nach Hause zu telefonieren. Während dessen bekommt Marcus Besuch von einem dänischen Wildcamper, der sich auch sehr über den selten genialen Platz freut.
Dienstag, 19.07.: Um 9.00 Uhr startet dann endlich unsere Fähre nach
Norwegen, wo wir um 15.30 Uhr in Egersund bei immer noch strahlendem Sonnenschein
ankommen. Wir kaufen die wichtigsten Nahrungsmittel ein (Brot, Nugatti,...)
und radeln dann frohen Mutes los. An diesem Tag beschränken wir uns
auf "lächerliche" 40 km: Wir fahren auf ruhigen Nebenstraßen
über Vikesa bis Espeland, wo wir direkt am Ufer des Birkelandsvatn
unser Zelt aufschlagen. Hier nehmen wir auch unser erstes Bad in Norwegischen
Gewässern.
Mittwoch, 20.07.: Wir durchqueren das Gloppedalsura (ehem. Kriegsschauplatz), und kaufen in Byrkjedal Postkarten von diesem Tal. Den ganzen Tag fahren wir mit leichter Steigung durch eine herrliche Landschaft ("geile Gegend") bis zur Abfahrt nach Sirdal. Bei Suleskar schlagen wir unser Lager auf einem Campingplatz auf und freuen uns auf den Aufstieg am nächsten Tag. Tagesstrecke heute: 68,8km.
Donnerstag, 21.07.: Ziemlich früh starten wir, um die uns beiden bekannte
Extremsteigung zum Lysefjorden zu bewältigen. Unterwegs versucht Dirk
sein im letzten Jahr gebautes Steintürmchen zu finden....vergeblich...
Am Parkplatz oberhalb von Lysebotn parken wir unsere Räder und machen
uns an den völlig bekloppten Auf-ab-auf-ab-aufstieg zum Kjerag. Nachdem
wir uns "todesmutig" auf den Kjeragboltn gewagt haben, und den
unbeschreiblichen Blick von dort oben genossen haben, begeben wir uns nun
- schon leicht geschwächt - auf den Ab-auf-ab-auf-abstieg zu unseren
Rädern. Wir sausen durch die 27 Haarnadelkurven nach Lysebotn und haben
etwas später auf der Fähre durch den Lysefjorden erst mal Gelegenheit
zum Relaxen. Von Oanes geht es dann auf einer völlig neuen Straße
nach Jörpeland, wo wir um 22 Uhr auf dem Campingplatz ankommen.
Heutige Tagesbilanz: 54km gefahren, ca.10km berggestiegen und ca. 40km geschwommen
(mit der Fähre natürlich).

Freitag, 22.07.: Von Jörpeland fahren wir zunächst auf einer sehr
kleinen, steilen Nebenstraße in Richtung Hjelmeland. Unterwegs halten
wir, um einem Kühe-Paar beim Lieben zuzusehen, doch prompt erteilen
uns die verwandten Ochsen eine Lektion und schlagen uns mit lautem Geschrei
und Geschnaube in die Flucht.
Nach 91km und ziemlich viel Regen kommen wir auf einem Camping-Platz in
Sand an. Beide haben wir inzwischen ziemliche Probleme mit unseren Knien.
Dirk vom Fahren, Marcus von Laufen.
Samstag, 23.07.: Die Fähre bringt uns von Sand nach Ropeid und weiter
geht die Tour nach Sauda. Der folgende Streckenabschnitt erweist sich mal
wieder als bestes Beispiel, wie man möglichst schnell vom Meeresspiegel
auf ca.1000m kommt. Eine harte Strecke, an deren Ende wir ein wunderbares
Hochplateu erleben. Schon am Ende der Kräfte, fahren wir aus dem Tal
des Röldalsvatnet, auf der parallel zur RV11 verlaufenden Paßstraße,
wieder einige hundert Meter hoch. Dort schlagen wir nach insgesamt wieder
90km unser Zelt auf, genießen noch für kurze Zeit einen herrlichen
Blick, bevor wir nach Sonnenuntergang von heftiger Kälte heimgesucht
werden.
Sonntag, 24.07.: Endlich werden wir für unsere Anstrengungen belohnt
und lassen uns durch die weiterhin wunderbare Landschaft hinunterrollen.
Zwischenstation machen wir an dem berühmten Latefossen, fahren durch
Odda und Utne bis zum Hardangerfjord. Inmitten der hier typischen Obstbaum-Flächen
schlagen wir unser Zelt auf. Als wir uns jedoch nach dem "Duschen"
unser Essen zubereiten, wird uns von einem Farmer unmißverständlich
klar gemacht, daß wir seine Wiese zu verlassen haben. Also bauen wir
unser Lager frustriert wieder ab und fahren weiter bis zum nächsten
Campingplatz bei Herand. Fahrtstrecke heute: ca. 85km
Montag, 25.07.: Wieder starten wir mit einer Fähre: Diesmal überqueren wir den Hardangerfjord von Jondal nach Törvikbygd. Ein kleines Stück weiter im Süden, bei Strandebarm, machen wir diesem Namen alle Ehre und baden an einem kleinen Strand in dem herrlich warmen Fjord. Bei Mundheim verlassen wir die 49 und finden in Skogseid einen sehr viel netteren, alten Farmer, der uns auf seinem Grund und Boden am Skogseivatnet Zelten läßt und uns netterweise auch mit Trinkwasser versorgt. Heute gibt unser Tacho "nur" 55km her.
Dienstag, 26.07.: Von Skogseid geht die Tour weiter über Eikelandsosen
nach Venglaneset, mit der Fähre nach Hatvik und dann weiter nach Osöyro.
In der City machen wir auf einer Bank in der Fußgängerzone unter
verwunderten Blicken Mittagspause. Über die schreckliche, stark befahrenen
RV1 fahren wir weiter in Richtung Bergen und beziehen (nach 59km) nach langem
Suchen einen häßlichen Campingplatz unweit von Bergen.
Mittwoch, 27.07.: Bergen wird seinem Ruf gerecht und beschert uns in der
Nacht viel Regen, den unser Zelt leider von unten nicht ganz abhalten kann.
Nachdem wir das nasse Zelt eingepackt haben, fahren wir die letzten 22km
nach Bergen. Der plötzliche Großstadtrummel gefällt uns
zunächst nach der wunderbaren Einsamkeit gar nicht. Plötzlich
inmitten von unzähligen Autos auf 8-spurigen Straßen fahren,
macht einfach keinen Spaß. Wir orientieren uns in Richtung Hafen,
auf der Suche nach unserem Fährbüro. Dort angelangt, ergattern
wir die fast letzten Fährkarten. Durch die Nachtfahrt sind wir gezwungen,
Schlafplätze zu nehmen.
Mit den Karten in der Tasche erkunden wir nun die Hafenanlage, essen auf
dem Fischmarkt ein Fischbrötchen und bestaunen die hölzernen Häuser.
Schließlich läuft unsere Fähre ein und wir beziehen unsere
Schlafplätze. Im nachhinein sind wir darüber doch recht glücklich,
so kommen wir wenigstens auch in dieser Nacht noch zu mehr oder weniger
geruhsamen Schlaf.
Norwegen, wir kommen wieder.
Copyright © 1998 by Dirk Gutnoff