11.07. Um 19.00Uhr packen
wir zum ersten Mal testweise in Goslar unsere Fahrräder und zweifeln
dabei auch zum ersten Mal an unserem Verstand. Offensichtlich müssen
wir das Fahren neu erlernen, bei diesem schweren Gewicht.
Aber was soll's, um 20.20Uhr starten wir mit vollgepackten Autos in Richtung Elchland.
Um 12.30Uhr erreichen wir in leichtem Regen Kristiansand. Wir schieben uns durch eine volle Fußgängerzone, um erst mal etwas zu essen. Dann versuchen wir krampfhaft aus Kristiansand zu kommen (natürlich alles im Regen).. Ziemlich durchnäßt suchen wir uns am späten Nachmittag (nicht mehr im Regen) zwischen Ryen und Vennesla einen Notzeltplatz. Nach unseren ersten Campingessen geht dann die Horrornacht los:
13.07. Nur Regen, die ganze
Nacht. Frühstücken dürfen wir im Trockenen, doch pünktlich
zum Losfahren geht es wieder los: Prassel-Prassel....
Wir fahren ca. 10km bis nach Vennesla und finden dort Unterkunft in Arne's Motel - In einem Zweibettzimmer, was normalerweise für eine Person fast zu klein wäre, aber wir haben uns voll drüber gefreut.
Nachdem der Regen aufhört, latschen wir noch ein bisl durch Vennesla. Abends essen wir (so richtig von 'ner Speisekarte) und haben danach sogar noch die Möglichkeit ein bißchen MTV zu gucken.
14.07. Wir werden mit einem fantastischem Frühstücksbuffet verwöhnt und fahren dann (ohne Regen) los. Wir fahren erst auf der 454, die die erste größere Steigung bietet, und biegen dann ab auf die fast unbefahrene Verbindungsstraße zur 403 nach Iveland. An diesem Tag näßt uns nur noch ein einziger Schauer, später sollten wir sogar noch sehen, daß es auch in Norwegen eine Sonne gibt. Doch erstmal bekommen wir die Dunkelheit zu spüren, in unserem ersten längeren Tunnel ohne Beleuchtung. Ein spannende Sache...
Wir fahren dann über Frikstad
bis Evje, eine tolle, sehr abwechslungsreiche Strecke an vielen Seen vorbei,
doch die sollten bald zur Gewohnheit werden. Kurz hinter Evje finden wir
(60km sind wir heute gefahren) an der Parallelstraße zur 39 einen
fantastischen Zeltplatz direkt am Fluß auf riesigen Felsen und: Voll
die Sonne da.
15.07. Doch was nützt einem der schönste Zeltplatz, wenn man im Regen aufwacht und der Fluß bis an die Zeltkanten angestiegen ist.
Also mit langen Gesichtern und nassen Zelten lächerliche 12km weiter nach Byglandsfyord. Dort finden wir ein holzhüttenähnliches Apartment (sehr schön) und können bei besserwerdendem Wetter draußen die Zelte trocknen. Später wird es sogar so warm, daß Frank und Dirk im Byglandsfjorden baden gehen - in etwa 3cm kaltem Wasser. Wir kaufen uns leckere Pizzas, um dann, zurück im Appartment, festzustellen, daß wir gar keinen Backofen haben. Also Pizza ab in die Pfanne.

16.07. Im strahlenden Sonnenschein (Jubelundtanzimkreisherum) fahren wir auf der kleinen Parallelstraße zur 39 am Byglandsfjorden entlang nach Norden. Eine wunderschöne Uferstraße, vorbei an gigantischen Felswänden. Nach 72km gelangen wir nach Rysstad, wo wir die ersten Schneefelder auf den Bergen sehen. Leider hängt die Berggruppe, zwischen der wir uns befinden, voll mit dicken Regenwolken, welche sich auch bald als Regen nieder lassen. Daher entscheiden wir uns auch nicht für den Campingplatz, sondern für eine gemütliche, kleine Holzhütte als Nachtlager. Schon jetzt sind wir uns bewußt, daß der nächste Tag ziemlich hart wird.
17.07. Und richtig: Ein tierischer
Aufstieg in die Highlands von Süd-Norwegen. Kurz hinter Rysstad fahren
wir links ab in Richtung Westen. Am Straßenanfang werden wir von einem
freundlichen Straßenschild begrüßt, was uns sagen will:
"So, Leute jetzt fahrt ihr erst mal 3km mit 10% Steigung und dann sehen
wir weiter". Leider trafen wir das blöde Schild nie wieder, denn
die 3km entpuppten sich als lächerlicher Anfang der Auffahrt. Aber
wir werden immer wieder belohnt mit einer fantastischen Bergwelt mit immer
mehr Seen, Bächen, blöden Schafen und Schneefeldern und immer
weniger Bäumen, stattdessen riesigen Felsbergen und Sonne. Kurz kühlt
uns ein knapp vor dem Gefrierpunkt stehender Regenschauer ab. Dann gelangen
wir an den Südzipfel des Rosskreppfjorden.
Wir finden unterhalb des Staudamms einen Wild-Campingplatz. Dieser gehört
zu einem Norweger, der hier mit seinen Kindern und einigen Tieren eine Art
Wild-Tourist-Information mit Kanuverleih und Reitmöglichkeit bietet.
Ein toller Zeltplatz. Gegen 22.00Uhr besteigen Frank und Dirk die Staumauer
und den angrenzenden Berg und genießen einen fantastischen Blick über
den riesigen See, den von dort oben winzigen Campingplatz, und die umliegende
Bergwelt. Und alles im Schein der abendlichen Sonne, und das fast in der
Nacht. Wunderschön..
18.07. Was zunächst ein leises Gebimmel ist, entwickelt sich mehr zu einem lauten Geläut und endet schließlich in bodenerschütterndem Getrampel: Die Schafe haben es geschafft, uns extrem unsanft aus dem Schlaf zu reißen. Nur weil ein blöder Schafbock auf dem Eßplatz der Norweger irgendwelche salzhaltigen Essensreste entdeckt hat. Na ja, wir haben jedenfalls an diesem Morgen keine Probleme, wach zu werden.
Nachdem wir uns im See gewaschen haben und gemütlich gefrühstückt
und zusammengepackt haben, starten wir gegen 11.00Uhr bei gutem Wetter.
Wir genießen zunächst eine Superabfahrt ins Tal bei Suleskar,
müssen dann aber wieder mehrere 100 Höhenmeter in die Berge strampeln,
wobei wir von starkem Gegenwind gebremst werden. Dies veranlaßt Eva
sogar dazu, ihre Geburt zu verfluchen. Je mehr wir uns Lysebotn nähren,
desto näher kommen wir auch den Wolken, die sich um die hohen Bergspitzen
gehängt haben, bis wir schließlich mitten drin sind und erfolglos
nach irgendwelchen Engeln suchen.
Als wir ganz plötzlich aus den Wolken herausfahren, liegt vor uns
eine noch atemberaubendere Landschaft, als bisher gesehen. Spätestens,
als wir überall um uns herum tausende von kleinen Steintürmchen
sehen, teilweise noch in Nebelschwaden gehüllt, kommen wir uns vor,
wie auf einem anderen Planeten. Doch dann ist uns klar, daß jeder,
der hier oben vorbei kommt, sich irgendwo so ein kleines Steindenkmal setzt.
Da können wir uns natürlich gar nicht zurück halten. Nach
wenigen weiteren Kilometern gelangen wir an einen Parkplatz oberhalb der
Serpentinen von Lysebotn. Von hier sollte auch der Wanderweg zum Kjerag
los gehen. Vom Parkplatz aus haben wir einen unbeschreiblichen Blick in
den hier etwa 900m tiefen Lysefjord. Wir schlagen unser Nachtlager an diesem
Parkplatz auf, betreiben noch Ganzkörperhygiene in einem 2cm kalten
Schmelzwasserbach und gehen früh schlafen.
19.07.
Um 5.00Uhr wachen wir in dichten Wolken auf und starten um 7.30Uhr zur Suche
nach dem Kjerag. Der "markierte Wanderweg" wäre in Deutschland
wegen Lebensgefahr absperrt. Leider finden wir auch nicht den Kjerag, haben
aber dafür einen tollen Blick über den Wolken. Beim Abstieg durch
Matsch, Wasser und über glitschige Felsen, verliert Dirk plötzlich
die Kontrolle über seine Standfestigkeit, den Weg und eigentlich über
alles. Daraufhin darf er mit großen Augen zusehen, wie die Lenkertasche,
die er eben noch in der Hand hielt, plötzlich voll den Abgang macht.
Nach etwa 50m Purzelbaumschlagen entscheidet sie sich dann schließlich
doch, auf ihr Herrchen zu warten. Zumindest wissen wir jetzt, daß
Melanies Kamera bruchsicher ist.
Glücklich, wieder auf unseren Rädern zu sitzen, fahren wir
nun die Serpentinen hinunter. Eine spaßige Abfahrt, die auf halber
Höhe durch einen völlig dunklen, langen Tunnel verzögert
wird. Zu allem Überfluß beinhaltet dieser Tunnel auch noch eine
serpentinentypische Haarnadelkurve.
Glücklicherweise taucht hinter uns ein Auto auf, welches wir gar
nicht erst überholen lassen, damit es uns den Tunnel etwas beleuchtet.
Von Lysebotn fahren wir mit der Fähre bis nach Oanes. Auf der Fahrt
sehen wir den Kjerag und den Prekestolen von unten. Wir zelten auf der Insel
Idsal.
20.07. Wir schlafen richtig aus und vergessen auch für den übrigen Tag völlig unsere Zeitplanung. Außerdem verlangt Eva's Rad einen neuen Schlauch und bei Frank's Rad macht sich die vordere Taschenhalterung selbstständig. So kommen wir heute nur dazu, in Jörpeland einzukaufen, und uns auf dem Campingplatz nieder zu lassen. Dort lernen wir noch drei deutsche Motorradfahrer kennen.
21.07. Wir fahren mit dem Bus zum Preikestolenparkplatz und meistern bei Regen und Nebel den zweistündigen Aufstieg auf einem "markierten Wanderweg". Oben angelangt sehen wir von dem 600m-Abgrund so wenig, daß wir uns sogar trauen, an die Kante zu stellen. In einer kleinen Bude wärmen wir uns, bedient von einer niedlichen Norwegerin (Dirk: "Ich glaub' ich bleib' hier oben"), mit einem Tee auf. Enttäuscht und erschöpft klettern wir wieder nach unten, laden in Jörpeland unsere Räder in den Bus und fahren bis nach Tau. Hier nehmen wir die Fähre nach Stavanger.
Von Stavanger fahren wir im
Zug nach Brusand, begutachten dort einen Campingplatz am Strand, entscheiden
uns aber dann, wenn auch widerwillig, wegen des schlechten Wetters, nach
Kristiansand weiter zu fahren. In Egersund haben wir noch eine Stunde Aufenthalt,
welche wir zum Essen benutzen.
22.07. Um 1.25Uhr kommen wir in Kristiansand an und schlafen bis 6.00Uhr im Bahnhofswarteraum. Gegen 6.45Uhr können wir auf die Fähre.
Wenn auch das Wetter am Anfang und Ende nicht so doll war, es war ein fantastischer Urlaub und der Beginn einer Liebe zu diesem Land.
Copyright © 1997 by Dirk Gutnoff